Vorwort zur 2. Auflage

Zwei Jahrzehnte nach Erscheinen der ersten Ausgabe der Familienchronik, in denen mir eine Fülle von weiteren
Daten und Informationen zur Verfügung gestellt wurden, bzw. von mir gesammelt werden konnten, erscheint es
mir wichtig, eine zweite, vollkommen überarbeitete Auflage zu veröffentlichen. Damit komme ich dem Wunsch
vieler Interessenten nach, zumal die erste Auflage doch recht bald nach dem Erscheinen vergriffen war. Ich widme
diese neue Ausgabe der letzten,noch in Ostpreußen geborenen Generation, die ihre Heimat 1945 verlor, wie zuvor
1732 unsere Vorfahren, die wegen ihres Glaubens ihre Heimat, das Salzburger Land, verlassen mußten.

Danken möchte ich allen, die mich in meiner Arbeit unterstützt und mir geholfen haben, insbesondere meinen
Kindern Michael, Andreas, Carola und Jutta sowie meinem Bruder Ulrich, der auch für "Mein Ostpreußen"
verantwortlich zeichnet.

Das Bild der Heimat Ostpreußen, insbesondere das des Dorfes Schublauken, aus dem die Vorfahren meiner Familie
stammen, hätte wohl nicht so aufgezeichnet werden können, wenn die Generation, der diese Chronik gewidmet ist,
mir nicht geduldig geantwortet hätte, als ich Anfang der sechziger Jahre, mit Notizblock und Bleistift bewaffnet, meine
Fragen zu stellen begann. Hier möchte ich ganz besonders die älteste Schwester meines Vaters, Frau Meta Wiemer,
geborene Lörzer erwähnen, die mein Interesse gefördert und mich in meiner Absicht bestärkt hat, die Chronik der
Familie aufzuzeichnen. Von ihr erhielt ich auch einen bemerkenswerten Spruch zur Kenntnis, dessen Urheber Hugo
von Hoffmannsthal ist. Er lautet:

"Was uns zur Betrachtung der Vergangenheit veranlaßt, ist die Ähnlichkeit des Gewesenen mit unserem Leben;
welche im Irgendwie - Einssein ist."

Treffender läßt sich der Sinn der Familienforschung meines Erachtens nicht beschreiben. Und als ich dann diese Arbeit
begonnen habe, sah ich mich bei der Forschungsarbeit neben meinem Vorfahren. Mir ist es in vielen Phasen so ergangen.
Ich habe immer versucht, deren Leben auch aus ihrer Sicht zu sehen und zu verstehen, und auf dieser Basis die Chronik
der Familie Lörzer, meiner Familie, zu schreiben. Ich hoffe, daß es mir einigermaßen gelungen ist, daß ich die Einflüsse
auf ihr Leben zu ihrer Zeit verdeutlichen konnte. Rückblickend stelle ich fest, daß ich nicht nur in Gedanken alles geschrieben
und aufgezeichnet habe, sondern in den letzten Jahren auch viele Wege meiner Vorfahren persönlich und wirklich
nachgegangen bin. Salzburg, das Land und seine Menschen wurden mir vertraut. Durch die politischen Veränderungen
seit 1989 ist es mir auch möglich gewesen, nach Ostpreußen zu fahren, in die Heimat meiner Vorfahren und die Stätten
zu suchen, in der sie, in der wir gelebt haben. Die Kindheitserinnerungen haben mich zusätzlich, in Verbindung mit den
Ostpreußenreisen, in meiner Arbeit beflügelt.

Der Chronik sollen einige einleitende Worte vorangestellt sein: Im Gegensatz zu der allgemein üblichen Darstellungsform,
daß die Generation der Gegenwart die erste Generation ist und in die Vergangenheit mit steigender Zahl gezählt wird, habe
ich die umgekehrte Zählfolge gewählt, wohl wissend, daß das unüblich ist. Doch da es trotz intensiver Forschung nicht gelungen
ist, einen Namenshinweis in der Generationenfolge unserer Familie zu finden, der vor 1390 erwähnt ist, habe ich dem ältesten
mir bekannten Namensträger die erste Generation zugeordnet. Auf diese Weise ist eine Fortschreibung der Chronik durch die
nachfolgenden Generationen problemlos möglich. 600 Jahre konnten bisher aufgezeichnet werden. Die Geschichte des Landes
Salzburg von vor 1732, jenes Landes der Urväter der Lürzer und Lörzer, nimmt einen etwas größeren Raum ein. Dieses scheint
mir für das bessere geschichtliche Verständnis der mittelalterlichen Zusammenhänge durchaus nötig zu sein.
Das gilt insbesondere für die Entwicklung des Protestantismus im Salzburger Land. Denn der hat dazu geführt, daß die sich
zum evangelischen Glauben bekennenden Bürger das Land, ihr Heimatland, verlassen mußten. Beiträge und Nebenlinien,
die nicht unmittelbar der Chronik unserer Familie zugeordnet sind, findet der Leser im Anhang, der recht ausführlich geworden ist.
Es ist mir so möglich gewesen, den chronologischen Ablauf deutlicher darzustellen.

Ein Schwerpunkt meiner Arbeit betraf die Erforschung des Familiennamens. Die ersten Namenserwähnungen sind unter "dy lürtz"
bekannt. Sie führten dann über Lürtzer und Lürzer zu Lierzer. Unter diesem Namen emigrierten zwei Brüder nach Ostpreußen.
Erst 1746 in Ostpreußen entsteht aus Lierzer dann Lörtzer, aus dem sich die übrigen Namen Lörzer, Loerzer und Loertzer ableiten,
die bis heute Gültigkeit haben. Untersuchungen und Nachforschungen haben ergeben - bisher - daß die Lörzer-Familien die in
und um die Rhön herum, in Bayern und Thüringen leben, in keinem verwandtschaftlichen Verhältnis zu uns stehen. Es bleibt
festzuhalten, daß nach bisherigen Erkenntnissen der weltweit benutzte Namen Lürzer ganz sicher seinen Ursprung im Salzburger
Land hat, während der Name Lörzer bereits um 1650 in der Rhön bekannt war und er 1746 zum ersten Mal in Ostpreußen
geschrieben worden ist. Ein weiteres Ergebnis meiner Forschungen von beachtlicher Bedeutung sind sicherlich die Stammtafeln.
Unter Einbeziehung meiner Kinder sind 17 Generationen der Namensträger Lürzer und Lörzer mit vielen Abzweigungen zu erfassen
und einzuordnen gewesen. Erleichtert wurde mir diese Arbeit durch die handschriftlichen Aufzeichnungen von Carl Loertzer,
Kallner-Linie, 1882-1954, der die ostpreußischen Lörzer bereits vor dem 2.Weltkrieg nach Familienrichtungen sortiert und
zugeordnet hat. Er berücksichtigte dabei das Herkunftsdorf als Zuordnungsmerkmal und zwar den alten Namen, der vor 1938
Gültigkeit hatte und der auch in den offiziellen Urkunden, Standesämtern und Kirchenbüchern benutzt wurde. So entstand, und
wurden von mir übernommen, z.B. die Kallner-, Budweitscher-, Schublauker-Lörzer-Linie. Ich habe diese ursprünglichen
ostpreußischen Ortsbezeichnungen beibehalten, die spätere Generationen an die ostpreußischen Vorfahren erinnern.
Ganz erheblich haben die beiden Familientreffen in Untertauern 1978 und 1982, dem Ursprungsort der Lürzer/Lörzer, dazu
beigetragen, daß die nach 1945 weit verstreuten Lörzer-Familien durch deren Mitarbeit und Informationsaustausch von mir
erfaßt, aufgezeichnet und in großer Ausführlichkeit in die Stammtafeln mit eingebaut werden konnten. Ich hoffe, ja ich bin
mir sicher, daß alle ostpreußischen Lörzer- Namensträger die Linie ihrer Vorfahren finden können.

Eine Familienforschung kann nicht endgültig sein, eine Chronik daher auch nicht vollkommen. Zu viele Fakten fließen in sie ein.
Auf die noch vorhandenen Lücken, die von mir nicht geschlossen werden konnten, habe ich im Text hingewiesen. Dieses ist vor
allem bei den Ehefrauen und deren Familien der Fall, die ich nur sehr unvollständig behandeln konnte. Und es würde den
Rahmen der Chronik der Familie Lörzer gesprengt haben. Ich konnte hierauf nur ganz wenig und am Rande eingehen. Hier
bleibt für Interessierte noch ein weites Feld offen. Bei meinen Nachforschungen und Recherchen über die Vorfahren und deren
Leben stieß ich immer wieder auf Dinge und Begebenheiten, die meine Neugierde weckten. Zum Beispiel das Lürzer-Wappen,
verliehen 1506, mit dem Einhorn als Wappentier. Welche Bedeutung hatte das Einhorn in der damaligen Zeit? Das Lexikon
spricht von einem Fabeltier in Pferdegestalt. Im Mittelalter besonders durch den Physiologus bekannt. Es galt in frühchristlicher
Zeit als Sinnbild gewaltiger Kraft, auf Christus bezogen; später dann auch als Sinnbild der Keuschheit. Auch ein Sternbild der
Äquatorzone ist mit dem Namen Einhorn (Moneceros) belegt worden. Unter "Das Einhorn, das Tier, das es niemals gab" habe
ich hierzu im Anhang weitere Einzelheiten beschrieben. Und welche Bewandtnis hat es mit den adligen Lürzer (nicht Lörzer!)?
Hierzu findet der interessierte Leser im Anhang dieser Chronik eine bisher nicht bekannte Aufzeichnung, die 1935 von Dr. Rudolf
Lürzer von Zechenthal als "Chronik der Familie Lürzer von Zechenthal" geschrieben wurde. Eine mir häufig gestellte Frage nach
dem "Fliegergeneral Loerzer" wird gleichfalls im Anhang unter "Generaloberst Bruno Loerzer" beantwortet.

Diese Chronik, die in vielen Teilen, besonders von 1390 bis 1732, über den Rahmen der Familie Lörzer hinausgeht, soll neben
der Information auch Interessierte anregen, die Familienforschung zu ergänzen oder fortzuführen, nach Spuren der Lürzer und
Lörzer zu suchen, die dann zukünftig in diese Chronik mit einfließen. Karten und Fotos weisen zu den Orten, in denen
Familiengeschichte mitgeschrieben wurde. Besuchen Sie Ostpreußen und Salzburg. Suchen Sie die Lürzer's in Österreich auf.
Verbringen Sie ihre Ferien in den Hotels und Pensionen der Lürzer in Unter- und Obertauern.

Wuppertal, im März 1998

Joachim Lörzer

 

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